Bondora hält durch Teilauszahlungen Geld zurück

Zunächst wollte ich eigentlich nicht über das hier schreiben. Coronavirus, Konsequenzen für den Kapitalmarkt, der run aus P2P Krediten raus – alles schon hinlänglich erklärt in der weiten Welt des Internets.

Jedoch ärgere ich mich persönlich immer mehr über die aktuellen Entwicklung bei Bondora Go&Grow hinsichtlich der neu eingeführten Teilauszahlungen. Dem werde ich hier nun mal ein bisschen Luft machen.

Was ist Bondora Go&Grow eigentlich?

Du magst dich vielleicht fragen um was es hier überhaupt geht. Bei Bondora handelt es sich um eine P2P Platform, welche schon sehr lange am Markt vertreten ist. Besonders bekannt ist es durch ihr Produkt Go&Grow mit welchem man ohne großen Aufwand Geld in P2P Kredite anlegen kann.

Ich möchte hier jetzt nicht die grundsätzliche Funktionsweise von P2P Krediten noch im speziellen Bondoras Geschichte und Werdegang hier beschreiben. Dies hat z.B. Lars Wrobbel in seinem Blog viel anschaulicher dargestellt mit vielen Details.

Bondora Werbebanner für Go&Grow

Go&Grow bietet mir als Nutzer im Vergleich zu Mintos und Co. überschaubare 6,75% Rendite aber dafür den Komfort, sein Geld theoretisch jederzeit vom Konto abziehen zu können. Diese erhöhte Liquidität wird mit der Differenz zwischen den tatsächlichen Zinsen die Bondora erwirtschaftet und den 6,75% des Nutzers bezahlt.

Und was ist nun mein Problem?

Grundsätzlich sind meine persönlichen Erfahrungen mit Bondora bisher ganz in Ordnung. Nach etwas Startschwierigkeiten mit der meines Erachtens etwas komplizierten Oberfläche nutze ich nun seit einem Jahr ausschließlich Go&Grow. Derzeit ist mein Portfolio dort auf 1,217 € angewachsen, von welchen 108 € Zinseinnahmen sind.

Den Anteil meines Investments in P2P Kredite setze ich zu 5 – 10% im Verhältnis zu meinen sonstigen Investments. Da durch Corona nun die Aktienmärkte etwas abgeschmiert sind hat sich das Verhältnis verschoben. Daher ziehe ich derzeit Geld aus meinen P2P Investments ab anstatt nachzuschießen.

Allerdings ist das für mich wirklich nur eine Sache der Balance in meinem Portfolio und meinen dabei gesetzten Zielen. Ich traue in den von mir investierten Platformen (Mintos, Peerberry und Bondora) durchaus zu die Krise zu überstehen. Da Bondora Go&Grow genau für solche Zwecke – also das schnelle liquidieren seines Investments – wollte ich dort nun etwas Geld auszahlen.

Nun hat Bondora jedoch die Funktion der Teilauszahlungen aktiviert. Diese unterbindet es, dass Investoren größere Beträge auf einmal von ihrem Konto abziehen. Laut Bondora, soll dies sicherstellen, dass Investoren auch weiterhin auf das Versprechen der 6,75% bauen können.

Wie funktioniert die Teilauszahlung

Bondora beschreibt in ihrem Support Dokument lediglich grob die Funktionsweise der Teilauszahlung. Aber es ist auch ein recht einfacher Prozess. Sobald ein Nutzer einen Geldbetrag anfordert, wird dieser nicht vollständig wie zuvor vollständig und in einem Rutsch ausgezahlt, sondern in täglichen Teilbeträgen. Das Geld wird auf dem Hauptkonto bei Bondora zwischengeparkt. Dort kann man es jederzeit auf sein Konto überweisen.

Die Abhebegebühr von 1€ zahlt man dabei nur einmalig und das noch nicht ausbezahlte Geld erwirtschaftet weiter Zinsen. Das gilt jedoch nicht für das Geld auf dem Hauptkonto. Zahlt man es von dort nicht manuell zwischen drin aus, wird es erst am Ende aller Teilauszahlungen überwiesen. Das hätte von Bondora etwas deutlicher gemacht werden können.

Über die Geschwindigkeit der Teilauszahlungen macht Bondora dabei keine Angaben. Aus meiner eigenen Erfahrung liegt es derzeit allerdings bei lediglich 2 – 5% täglich. Tendenz sinkend. Das deckt sich auch mit Berichten aus Foren hierzu.

Und was ist nun mein Problem?

Natürlich muss einem bewusst sein, dass die Form der Anlage in P2P Kredite eine riskante Sache ist. Man kann keine Garantie erwarten, dass man sein Geld je wieder sieht. Auch bei Bondora darf dieser Punkt nicht vergessen werden. Aber Moment – warum rege ich mich dann auf, dass genau dies nun so der Fall ist.

Nun, Bondora bewirbt Go&Grow als einfaches Mittel um schnell in P2P Kredite investieren zu können. Neben einer maximalen Rendite von 6,75% wird auch die gute Liquidität hervorgehoben, welches Go&Grow von dem Wettbewerb abgrenzt.

In der Krise rund um Corona zeigt sich nun, dass das Reservepolster auch bei Bondora an seine Grenzen kommt. Als eine der ältesten P2P Plattformen mit einer vergebenen Darlehenssumme von mittlerweile 369,8 Millionen € (Stand: Mai 2020) ist das kein gutes Zeichen. Investoren wie wir parken auf der Platform ihr Geld in der Hoffnung etwas Rendite daraus zu generieren. Eben wie bei einer Bank nur dass man sich eben die höheren Zinsen mit einem Risiko des Totalverlusts erkauft.

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Aufgrund der letzten Jahre und den stabilen Märkten in dieser Zeit gewöhnt man sich sehr schnell daran und denkt dass es schon so weiter gehen wird. Durch Covid-19 zeigt sich nun wie schnell diese Sicherheit dahin ist.

Bondora erzielt Einnahmen durch das Finanzieren und Bereitstellen von Konsumentenkrediten. Diese Finanzierung wird durch die Gelder der Investoren durchgeführt. Und hierzu zählen eben auch Go&Grow Einlagen. Wenn diese nun in großen Summen abgezogen werden, bekommt Bondora Probleme weitere Kredite zu finanzieren. Dies ist jedoch notwendig um weiter Einnahmen zu generieren und die Zeit zwischen der Kreditrückzahlung zu überbrücken. Dies ist besonders bei säumigen Kreditnehmern problematisch und dem erforderlichen Inkasso-Prozess.

Es zeigt sich daher, dass das Geschäftsmodell von P2P-Platformen wie Bondora in Zeiten der Krise auf recht wackeligen Beinen steht. Historisch gesehen erwirtschaftet Bondora etwa 10,7% p.a. welches vergangene Rezensionen einschließt. Die Differenz hiervon zu den 6,75% die die Go&Grow Investoren erhalten dient als Puffer für Bondora. Diese Marge scheint jedoch nicht ausreichend zu sein, wie die nun eingeführte Teilauszahlung zeigt.

Disclaimer

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar sondern dient lediglich der Bildung und privaten Unterhaltung. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus öffentlich zugänglichen Quellen übernommen. Eine Haftung für die Richtigkeit kann daher nicht übernommen werden.

2 Kommentare

  1. Danke für den Verweis auf meinen Artikel! Ich kann dich verstehen, dass dich das Ganze ärgert. Jedoch sind die Teilzahlungen dafür gedacht, das gesamte Portfolio zu schützen. Genau deswegen steht Bondora GERADE NICHT auf wackligen Beinen, sondern hat alles selbst in der Hand.

    Auch die Auszahlungstendenz kann ich nicht bestätigen. Angefangen hat alles im März, der Tiefpunkt war im April. Inzwischen sind wir teilweise bei 5% pro Tag, was eine Aufwärtstendenz zeigt (im April waren es manchmal nur 1%).

    Was wir nicht machen dürfen: G&G als vollliquide Anlage sehen, denn das ist rein von der Logik her schon unmöglich (laufende Kredite im Hintergrund, die nicht einfach gestoppt werden können). Und man darf auch nicht vergessen, dass G&G die ganze Zeit dennoch vollliquide war. Aber in einer Krise wie dieser, wo alle nach Liquidität schreien, darf das so mal passieren. Das wird sich bald wieder ändern 😉

    • Hallo Lars,
      danke für deinen Kommentar und deine Sicht der Dinge. Aus deinem Podcast habe ich ebenfalls entnommen, dass du derzeit recht positiv auf die großen Platformen schaust und wie diese derzeit agieren.
      Und ja vermutlich war es etwas überspitzt zu schreiben, dass Bondora wackelt. Allerdings bin ich der Meinung, dass wir witschaftlich gesehen noch gar nicht wirklich in der Krise angekommen sind.
      Weltweit laufen derzeit große Subventionsprogramme um sowohl Firmen aber auch Privatpersonen zu unterstützen die in Schieflage geraten sind. Ich befürchte, dass sobald diese Programme auslaufen oder zurück gefahren werden man erst die wirklichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft festmachen kann.
      Und dann wird es auch ungemütlicher für Plattformen wie Bondora und co. Sobald die Kredite in größerer Zahl ausfallen, werden Investoren noch stärker versuchen an Ihr Geld zu kommen.

      Aber bin voll bei dir mit der Sichtweise, dass G&G auf keinen Fall als hoch verzinstes Tagesgeld verstanden werden darf.
      Auch ich habe mich hierbei ertappt. Als Gewohnheitstier geht man einfach irgendwann davon aus, dass es schon immer so weiter gehen wird und blendet die Risiken aus.

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